Zu wenig Familenzeit, zu viel Arbeit

„Willst du mit mir auf Weltreise gehen?“ fragte mich Martin eines Nachmittags ganz unverhofft zwischen Windeln und Klopapier. Während ich mit den Mädels einkaufen war, Martin grad von der Arbeit kam und mich damit völlig überraschte. Wie selbstverständlich antwortete ich ihm: „Klar, mit dir gehe ich überall hin!“ ohne groß darüber nachzudenken. Das war im August oder September 2017.
Wir kamen ins Gespräch, Martin erzählte mir immer mehr zum Thema Digitale Nomaden und wir tauchten nach und nach in diese Welt ein. An allen möglichen und unmöglichen Orten dieser Welt zu arbeiten, aber so, wie es für einen selbst passte. Nicht von 9 bis … 18/19/20 Uhr, Fixkosten und Arbeitszeiten auf ein Minimum reduzieren und mit wenig auskommen. Klang spannend. Mal aus allem raus. Aber war das was für uns?

JA, auf jeden Fall! Denn wir zerbrachen beinahe an der wenigen Zeit zusammen, die wir hatten. Jeder hatte sich sein eigenes Leben aufgebaut, morgens verabschiedeten wir uns voneinander, abends kamen wir zum Abendbrot und zum Ins-Bett-bringen wieder zusammen. Ich betreute die Kinder, Martin ging ins Büro arbeiten. Dann das ersehnte Wochenende: am Samstag knallte es meist ordentlich – wir alle vier zusammen, das war ja schließlich nicht unser Alltag und für alle erstmal neu. Sonntag hatten wir uns dann eingegroovt und das wars dann auch schon wieder mit der Happy-Family-Time. Das sollte unser Familienleben sein? Mehr nicht? Das war uns zu wenig. Viiiel zu wenig…
Und so hatten wir schon vor der Idee mit dem Reisen überlegt, wie wir wieder mehr als Familie zusammen wachsen könnten. Martin baute seine Selbstständigkeit nebenbei auf, suchte nach einem Job mit Homeoffice-Möglichkeiten und reduzierte schließlich auch seine Arbeitsstunden im Büro.

Wir hatten uns eine zwei monatige Auszeit eingeplant, um mal zu überlegen, wie es weitergehen könnte. Wir buchten zwei Monate Koh Phangan. Dem Winter entfliehen, von Ende Januar bis Ende März in Thailand bei tropischen Temperaturen. Dazu andere reiselustige und alternative Familien. Genau so klang das wundervoll. Und so reisten wir mit unseren beiden Mädchen, Marli 3,5 und Rosa grade 1 Jahr alt los. Als Backpacker. Wir planten schon vorher, dass wir dann nach dem Sommer so richtig losziehen und dann ganz auf Weltreise oder Langzeitreise gehen wollten… im August 2018.

Es kam alles etwas anders, von Thailand aus kündigten wir unsere Wohnung, zurück in Düsseldorf kündigte Martin seinen Bürojob und wir hatten 2,5 Monate Zeit um alles zu verkaufen, zu verschenken oder zu spenden. All unseren Besitz einzutauschen gegen Zeit – Zeit als Familie, wir vier einfach zusammen. Es war mit die härteste Zeit in unserem Leben, wir sind über unsere Grenzen hinaus gegangen, haben den puren Stress gefühlt, gestritten wie die Kesselflicker und gegenseitig Trost und Kraft gespendet – aber alles, damit wir nun dieses Leben mit unseren Kindern führen können. Zu der Vorbereitungszeit nach Thailand schreibe ich in einem anderen Artikeln nochmal gesondert etwas.
Jedenfalls haben wir uns durchgebissen und leben aktuell seit knapp 2 Wochen im Wohnmobil. Unser Zuhause haben wir immer dabei, ohne all den Ballast, den wir an Kram in der alten Wohnung hatten. Wir sind gespannt, was wir wirklich brauchen werden und was nicht. Mehr Dinge machen nicht mehr glücklich. Und so minimieren wir nach und nach den WoMo-Bestand.
Jetzt geht’s los: Hallo Welt, wir kommen!

{ Suse }
1 Antwort
  1. Marion
    Marion says:

    Hallo Ihr vier Reisenden,

    bin durch Zufall auf Eure Seite gestoßen. Glückwunsch zu dieser tollen Entscheidung und zu Euerm Mut, diesen Schritt zu gehen; all das Sicherheitsdenken auszuschalten und einfach nur loszufahren.
    Wir wünschen Euch eine gute Zeit und viele tolle Erlebnisse.
    Von Zeit zu Zeit werden wir vorbeischauen, um zu sehen, wie es bei Euch weitergeht.

    Herzliche Grüße aus dem Schwabenland
    Marion

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