Was kostet die Welt?

Wenn ich morgen im Lotto gewinne, was würde ich mit dem Geld tun? – Diese Frage haben wir uns wohl alle schon einmal gestellt. Die Antworten darauf sind ganz verschieden, aber eine Antwort fällt am häufigsten: Auf Weltreise gehen.

Daraus lassen sich zwei Dinge ableiten:
1. Die meisten Menschen sehnen sich danach, die Welt zu bereisen und würden selbst gerne von Zuhause weg und losziehen.
2. Eine Weltreise ist teuer, man muss schon einige Millionen haben, um ohne zeitliches Limit die Welt zu sehen. Ohne Lottogewinn oder ein großes Erbe wird das nichts.

Auch wir wurden schon öfter gefragt, ob wir im Lotto gewonnen hätten. Mittlerweile erlaube ich mir den Spaß und antworte: „Ganz im Gegenteil. Wir können uns das Leben hier nicht mehr leisten.“ Die überspitzte Antwort zeigt die gewünschte Wirkung. Im Köpfchen rattert es und die Leute fragen sich, ob ein Leben auf Reise tatsächlich günstiger sein kann, als an einem festen Ort.

Das klassiche Leben vs. das Reiseleben

Gehen wir gemeinsam gedanklich die größten Kostenfaktoren durch. Zu allererst steht in der Regel die Miete. Nicht selten arbeitet man bis zum 10. oder 15. eines Monats allein dafür, die Miete zu bezahlen oder die Rate für das Haus auf Pump zu begleichen. Neben der eigentlichen Miete kommen noch Mietnebenkosten, Verbrauchskosten, Versicherungen wie z.B. die Hausratversicherung, Mieter-Rechschutz oder die Gebäudeversicherung bei Eigentum hinzu. Wieviele Tage arbeitest du jeden Monat für dein Dach über dem Kopf? Auf Reisen muss man natürlich auch irgendwo schlafen. Es gibt die unterschiedlichsten Unterkünfte von kostenlos bis teuer. Housesitting, Couchsurfing oder mit dem Wohnmobil frei stehen sind drei Möglichkeiten, kostenlos zu wohnen.

Ein weiterer großer Kostenfaktor ist das Auto oder auch die Autos. Wir hatten zwei davon. Allein für den Weg zur Arbeit und zurück unterhalten viele Menschen ein Auto. Jeden Monat arbeitet man also einige Tage einzig und allein dafür, überhaupt arbeiten zu können. Ich bin über 2 Jahre lang jeden Tag 80 km gefahren. Die Kostenpunkte, die man monatlich addieren muss, sind Raten für das finanzierte Auto oder beim Eigentum die Wertminderungskosten, Kaskoversicherung, Kfz-Steuer, Kraftstoff, Verschleiß, Reparaturen, TÜV und ggf. die kostenpflichtige Garage. Unsere Autos haben uns monatlich über 500 Euro gekostet.

Weitere kleinere Kostenpunkte, die man auf Reisen streichen kann, sind die GEZ, Festnetz, Fernsehanschluss und Internet, sowie optionale Punkte wie Kinderbetreuungskosten.

Kostenflexibilität auf Weltreise

Die genannten Punkte fallen bei einem Leben auf Reise komplett oder teilweise weg. Das setzt monatlich eine hohe Summe frei und das Geld dafür muss nicht mehr erwirtschaftet werden. Natürlich kommt es darauf an, wie man reist. Mit einem Wohnmobil hat man zum Beispiel dennoch die Kostenpunkte, die man auch bei einem Auto hat. Wenn man als Backpacker unterwegs ist, zahlt man in der Regel auch Miete für Unterkünfte. Aber der Punkt ist, dass man täglich Einfluss auf die Höhe der Kosten nehmen kann. Wenn wir unsere Ausgaben einschränken möchten, stehen wir frei und kostenlos z.B. auf Parkplätzen und bewegen unser Wohnmobil einige Tage nicht. So fallen die Kosten für Diesel und Stellplatzgebühren auf Null. Strom erzeugen wir über Solarenergie und Heizung fällt weg, wenn wir uns in warmen Gebieten der Welt aufhalten.

Anders als bei einem festen Wohnsitz kann man auf Reisen sehr flexibel die monatlichen Ausgaben gestalten. Als wir Anfang 2018 mit einigen anderen Weltreisefamilien in Thailand waren, haben wir unsere monatlichen Ausgaben verglichen. Bei gleicher Unterkunft und gleicher Familiengröße variierten die genannten Ausgaben zwischen 1.000 und 3.000 Euro. Und wer letzten Monat 3.000 Euro ausgegeben hat, kann bei Bedarf im nächsten Monat nur 1.000 Euro ausgeben. Das funktioniert bei einem „normalen“ Lebensstil nicht.

Unsere monatliche Ersparnis

Da wir erst rund 4 Wochen auf Reise sind und gerade zu Beginn noch hohe Ausgaben hatten, können wir noch nicht genau sagen, wie viel günstiger unser neues Leben ist. Aber wir wissen, was wir uns durch Wegfall der Wohnung, der Autos, einiger Versicherungen und anderer Kostenfaktoren theoretisch einsparen. Es sind monatlich über 2.000 Euro.

Die haben wir natürlich nicht übrig, da ich bewusst auf Einkommen verzichte. Ich habe meinen Job in Festanstellung aufgegeben und arbeite nun viel weniger Stunden die Woche als zuvor. Denn unser Ziel ist es, Zeit als Familie zu verbringen. Und zwar alle zusammen. Das steht im Widerspruch zu einer 40-Stunden-Woche. Das, was wir im alten Leben nie hatten, war Zeit. Diese Zeit haben wir nun. Und die ist wertvoller als Geld oder Besitz.

{ Martin }
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